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07. November 2013

Solvency II wird konkret: Versicherer fürchten ORSA

Für deutsche Versicherer wird es ernst, wie die Bafin erkennen lässt: Die stufenweise Einführung von Solvency II, das so genannte Phasing-in, gemäß den von der EU-Aufsicht EIOPA veröffentlichten Leitlinien beginnt bereits 2014. Teile der Meldevorschriften sollen ein Jahr später anlaufen und bis 2016 soll das Regelwerk final in Kraft treten. Großes Kopfzerbrechen bereitet der Versicherungswirtschaft die ORSA genannte Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung. 78 Prozent der Entscheider sehen erhebliche Investitionen in das Risikomanagement auf sich zukommen. Das sind Ergebnisse der Studie „Branchenkompass 2013 Versicherungen“ von Steria Mummert Consulting.

Bei der Umsetzung von Solvency II legen die Versicherer ihr Hauptaugenmerk auf „Own Risk and Solvency Assessment“ (ORSA). Hier sehen die Entscheider den größten Nachholbedarf. Jede Versicherung ist verpflichtet, ihren individuellen Eigenkapitalbedarf auf Basis unternehmensindividueller Stressszenarien zu ermitteln – und das über den gesamten Planungszeitraum. Die Ergebnisse sollen in die Unternehmensplanung und -steuerung einfließen. Entsprechend groß ist der Ressourcenbedarf, viele Abteilungen werden in die Umsetzung einbezogen. „Die Bestimmung des ökonomischen Kapitals sowie die Einbindung in die Unternehmenssteuerung durch Budgets und Limite gleichen von der Methodik her einem kleinen internen Modell“, sagt Christian Schätzle, Experte für Risk, Finance & Compliance von Steria Mummert Consulting.

Das komplexe am ORSA-Prozess ist: Eigenkapital und Solvabilitätserfordernis sind keine unabhängigen Größen mehr. „Eingetretene Risiken führen zu einem Verzehr des Eigenkapitals, so dass in den nachfolgenden Zeitabschnitten weniger Eigenkapital als Risikopuffer vorliegt. Beide Größen müssen also in Einklang gebracht werden“, so Schätzle. Die in die Geschäftsplanung einfließende Risikobetrachtung kann zudem dazu führen, dass Versicherer bereits getroffene Entscheidungen überdenken müssen, speziell bei der Kapitalanlage.

Auch auf die am Meldewesen beteiligten Abteilungen kommt mehr Arbeit zu. Die Ergebnisse zu Unternehmensrisiken, zum verfügbaren und benötigten Eigenkapital sowie weitere Kennzahlen müssen die Versicherer im Rahmen des ORSA-Berichtes regelmäßig an die Aufsichtsbehörde Bafin übermitteln. Daneben werden große Teile der Solvency-II-Meldungen bereits 2015 erwartet. Viele Versicherer hatten auf einen Starttermin 2017 gehofft und müssen sich nun beeilen. Bei neun von zehn Versicherern stehen die Gestaltung der Solvency-II-Meldungen und die Bereitstellung der Daten deshalb ganz oben auf der Compliance-Agenda.

Die Versicherer antworten auf die Mehrarbeit und Zusatzkosten durch Solvency II vor allem mit mehr Standardisierung. Die Handhabung von Solvency II und das Compliance Management sollen vereinheitlicht, interne Kennzahlen konzernweit definiert und wenn möglich automatisiert bereitgestellt werden. „Nachvollziehbare und automatisierte Datenladeprozesse, die Datenqualität sowie der Blick zurück in die Datenhistorie müssen sichergestellt sein. Selbst relativ geringe Abweichungen in den Ausgangsdaten wirken sich deutlich auf die Risikobewertungen aus“, sagt Christian Schätzle.

Hintergrundinformationen
Für die Studie „Branchenkompass 2013 Versicherungen“ wurden im Juli und August 2013 100 Führungskräfte der 100 größten Versicherungsgesellschaften und -makler in Deutschland zu ihren Investitionszielen und ihrer Geschäftspolitik bis 2016 befragt. Die Gesprächspartner waren Geschäftsführer oder Mitglieder der Geschäftsführung, Vorstandsvorsitzende oder andere Vorstandsmitglieder, Leiter des Marketings oder anderer zentraler Bereiche. Das Marktforschungsinstitut Forsa führte die Befragung im Auftrag von Steria Mummert Consulting in Telefoninterviews nach der Methode des Computer Assisted Telephone Interviewing (CATI) durch.

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