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Nachgefragt! Axel Drengwitz im Interview zum Thema Open Data in der Verwaltung

Herr Drengwitz, was verbirgt sich konkret hinter dem Begriff Open Data in öffentlichen Verwaltung?

 

Axel Drengwitz: Die Idee ist, Datenarchive der öffentlichen Verwaltung für alle über zentrale Internetportale zu öffnen. Vorreiter sind die USA. Open Data-Plattformen sind dort bereits gang und gäbe. Den US-Bürgern stehen beispielsweise parlamentarische Unterlagen im Netz zur Verfügung sowie aktuelle Statistiken. Über spezielle Apps lassen sich Daten nach bestimmten Kriterien auswerten. Die US-Bevölkerung bleibt so beispielsweise über von der Lebensmittel-überwachung und Arzneimittelbehörde (FDA) indizierte und vom Markt genommene Produkte auf dem Laufenden. Eigens eingerichtete Communities ermitteln zudem Nutzungspräferenzen, um diejenigen Daten zu ermitteln, die das größte Interesse auf sich ziehen. Open Data-Vorreiter in Europa ist Großbritannien: Dort hat die Regierung das Motto „Opening Up Government“ durch umfangreiche Auskunftsfunktionen verwirklicht.

 

Wie weit ist Open Data in Deutschland?

 

Drengwitz: Auf Bundesebene gibt es das Projekt Open Data. Das Ziel der Initiative sind freie Zugänge zu Informationen der Verwaltung. Auskunftsplattformen auf Basis moderner Web-2.0-Lösungen sollen den dafür notwendigen technischen Unterbau liefern. Federführend ist das Bundesinnenministerium des Innern. Eine bundesweite Open Data-Anwendung ist in Arbeit und soll 2013 an den Start gehen.

 

Auf Landesebene leistet Berlin Pionierarbeit. 2011 ist unter der Adresse www.daten.berlin.de das erste vollfunktionstüchtige Open Data-Portal online gegangen. Die Seite listet beispielsweise frei zugängliche Umwelt- und Verkehrsdaten auf und liefert Informationen über kommunale Dienstleistungen.

 

Auf kommunaler Ebene stehen aktuell Behördenangebote im Vordergrund, die ohne direkte Anbindung an die Datenbestände der Verwaltung auskommen. 62 Prozent der Behörden betreiben eigens eingerichtete Communities und Diskussionsgruppen im Internet oder haben dies bis 2013 zumindest geplant. Jede zweite Dienststelle will zudem Twitter in die eigene Kommunikation einbinden. In Frankfurt zum Beispiel setzt die Verwaltung in erster Linie auf Verbesserungen beim Service der Stadt. Auf der Seite www.frankfurt-gestalten.de können sich die Bürger aktiv in die Stadtplanung einmischen. Zudem gibt es spezielle Feedback-Kanäle, um unter anderem reparaturbedürftige Straßen zu melden. Die Stadt Ravensburg fördert zu dem die örtliche Wirtschaft, indem sie alle Informationen, etwa über Einkaufsmöglichkeiten und Sehenswürdigen, in einem maschinenlesbaren Format bereitstellt.

 

Und wie profitieren Behörden von der vom freien Zugang zu Informationen der Verwaltungen?

 

Drengwitz: Die Verwaltung positioniert sich mit dem einfacheren Zugang zu öffentlichen Informationen noch stärker als moderner Dienstleister, der für den Bürger da ist. Durch das Angebot von Dienstleistungen, die auf der Web-2.0-Technolgie aufbauen, zeigt die öffentliche Verwaltung, dass sie mit technologischen Innovationen Schritt halten kann und nicht Bremsklotz wirtschaftlicher Entscheidungen ist. Mit der Einrichtung von Beteiligungsformen für politische Entscheidungen kann die öffentliche Verwaltung zudem das Know-how der Bürger direkt einbinden.

 

Gleichzeitig besitzt Open Data das Potenzial für Behörden, Bürokratie abzubauen. Bürger, dich sich selbst über Online-Auskunftsportale informieren, rufen keine Bürger-Hotline an und suchen nicht das nächste Amt auf. Das reduziert Bürokratiekosten und entlastet die Haushalte, was übrigens beim Bürger und den Unternehmen ebenfalls gut ankommt.

 

Was sind die Hürden bei der Umsetzung von Open-Data-Projekten?

 

Drengwitz: Flexible Maschinenlesbarkeit ist eines der erfolgskritischen Leistungsmerkmale für Open-Data-Angebote, zum Beispiel in Form von Portallösungen. Davon hängt die direkte Verwertbarkeit ab. PDF-Dokumente, wie sie beispielsweise in den Parlamentsdatenbanken des Bundestages und der Landtage vieler Bundesländer angeboten werden, erfüllen dieses Kriterium nur sehr eingeschränkt. Darüber hinaus dürfen Web 2.0-Angebote und Bürger-Apps kein Selbstzweck sein. Bürger und Unternehmen werden die Daten nur abrufen und weiterverwerten, wenn sie direkte Alltagsrelevanz besitzen.

 

Dazu kommen datenschutzrechtliche Hürden, die die Verantwortlichen bei Open-Data-Projekten stark beschäftigen. Beispielsweise ist in vielen Fällen nicht eindeutig definiert, welche Daten freigegeben werden können und welche nicht. Häufig ist zudem unklar, welche Behörde die Datenhoheit besitzt und in welchem Umfang die Informationen von privater Seite aus weiterverwendet werden dürfen. Einschränkungen bei der Nutzung von Daten, sollten die Behörden so transparent und verständlich wie möglich formulieren, um das eigentliche Ziel eines freien Zugangs zu Informationen nicht wieder zunichte zu machen.

 

Gleichzeitig bremst die Frage der Finanzierung viele Open-Data-Projekte bereits in der Planungsphase aus. Ein tragfähiges Geschäftsmodell ist Pflicht, damit Open Data ein Erfolg wird. Um Betriebskosten zu reduzieren, bietet es sich beispielsweise an, private Nutzer bei der Pflege der Daten einzubinden und selbst Content zu liefern. Darüber hinaus empfiehlt es sich, wenn die Behörden ihre ohnehin geplanten Investitionen in die Standardisierung des Datenaustauschs gleich auf die Anforderungen von Open Data anpassen. Damit decken bereits erkannte Prioritäten bei IT-Projekten kritische Erfolgsfaktoren für künftige Open Data-Projekte ab. Dies führt zur Minimierung des Aufwands bei der Umsetzung von Open Data, da die zur Verfügung gestellten Daten im Optimalfall einheitlich aus den produktiven IT-Systemen der Verwaltung fließen.

 

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Informationen zum Autor:

 

Axel Drengwitz ist Principal Consultant bei Steria Mummert Consulting im Bereich Public Services und Experte für die Themen E-Government, Open Data und elektronische Akte.


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